Kirchweih in Bayern -
Kärwa - Kirwa - Kirta - Kerm

oder auch „Kärwa“ für die Franken,  „Kirwa“ für den Operpfälzer, „Kerm“ für den Unterfranken und „Kirta“ für den Altbayern. Die Kirchweihfeste sind eine feste Tradtition und werden in den Dörfern mehrere Tage lang gefeiert. Ein Bestandteil einer Kirchweih ist das Aufstellen eines geschmückten Kirchweihbaumes und das "Austanzen" der Kirwapaare.

Der Termin für die Kirchweih ist in Bayern zweigeteilt; während die meisten Ortschaften ihre Kirchweih am 3. Sonntag im Oktober (Allerweltskirwa) feiern, halten sich die Oberpfälzer und die Franken nicht an diesen Termin: hier feiert jeder Ort seine Kirchweih zum eigenen Termin vom Frühjahr bis zum Herbst. Sie findet meist am Namenstag des jeweiligen Schutzheiligen der Kirche oder am Jahrestag der Kirchweihe statt.

Der Tag der „Allerweltskirwa“ wurde von der Obrigkeit 1866 festgelegt und damit wurde die traditionelle Dorfkirchweih  ersetzt. Grund hierfür war das häufige, überhand nehmende Feiern der Landbevölkerung in den unterschiedlichen Dörfern. Gegen diese Verordnungen von oben widersetzten sich die Oberpfälzer und auch die Franken; sie nahmen den staatlich verordneten Allerweltskirwatag stattdessen noch als zusätzlichen Festtag mit auf. Bis heute gibt es so z.B. nur im Landkreis Amberg-Sulzbach von April bis November an die 120 Kirchweihfeste, bei denen auch ein Kirwabaum ausgetanzt wird.

Sulzbach Woiz Kirwa Austanzen des Kirwabaums


Für die Bewohner von Dörfern ist die Kirchweih oft das wichtigste eigene Fest im Jahr. Die Kirchweihbräuche sind regional leicht unterschiedlich. Beginn der Kirchweih ist meist bereits am Donnerstag oder Freitag mit dem „Kirwaausgraben“ und Ende ist nach dem Montag mit dem „Kirchweih begraben“.  An den Abenden gibt es in den Wirtshäusern traditionelles Kirchweihessen  (z.B. die sogenannte Vogelsuppe in Mittelfranken), dazu spielt oft Musik und es wird getanzt. Es gibt es bei den Kirchweihen nicht nur Volksmusik zu hören; es finden auch Tanzabende speziell für die Jugend mit Rock und Pop-Musik statt.

Ein fester Bestandteil bei einer traditionellen Kirchweih ist der Kirwabaum, der oft bis Oktober stehen bleibt. Dieser wird am Kirchweihsamstag nachmittags von der männlichen Dorfgemeinschaft auf einem zentralen Dorfplatz aufgestellt. Der Kirchweihbaum sollte eine stattliche Länge (ca. 30m) haben und wird von einem Waldbesitzer gestiftet. Vormittags wird der Baum (meist eine Fichte) gefällt und anschließend ziehen die singenden Kirwaboum auf Traktor und Anhänger mit dem Baum ins Dorf ein. Vor dem nicht ganz einfachen Aufstellen wird der Kirwabaum noch mit Bändern, Schnitzereien und Kränzen geschmückt. 

„Ausgetanzt“ wird der Baum dann meist sonntags von den Kirchweihpaaren: Kirwabou mit Kirwamoidl umrunden immer wieder abwechseln singend und tanzend den Baum, wobei immer ein Paar eine zeitlang einen Blumenstrauß hält. Nach einer Runde Tanz und Gesang wird dieser Strauß an das nächste Paar weitergegeben. Wenn nach einer gewissen Zeit ein Wecker klingelt, so ist das Paar mit dem Blumenstrauß das neue „Oberkirchweihpaar“. Für dieses Oberkirwapaar hängen am Kirwabaum an einem Querholz z.B. ein Bierkrug für den Boum und ein Schultertuch für das Moidl, welche mit einer Leiter heruntergeholt werden müssen. Natürlich versuchen die restlichen Kirwaboum dieses Vorhaben etwas zu erschweren!

Um die ganze Kirchweih zu planen und auf die Beine zu stellen, bilden sich mittlerweile in vielen Dörfern wieder Kirchweihgemeinschaften, also regelrecht Vereine zur Förderung und Organisation der Kirchweih. Die Jugendlichen sind es, die die althergebrachte Kirwa somit lebendig erhalten.


Sulzbach Woiz Kirwa


Termine von Kirchweihen finden Sie in unserem Kirchweihkalender.

Und was singen die Kirwaboum und Kirwamoidl während sie den Baum austanzen?

Ein bekannter Spruch aus der Oberpfalz, der laut gerufen wird:

 „Wer houd Kirwa? Mir hom Kirwa!

Wer houd heia mal niad su an schejna Baam? Mir hom heia mal niad su an schöina Baam!“


In Franken verbreitet ist z.B. das folgende Kirwalied:

Die Kärwa is kumma, die Kärwa is dou, truje….

die Alten die brumma, die Junga senn frouh, truje ….

Musikanten spillt af und laßt d´Saiten klinga, truje…

Nou werder glei sehgn, wäi die Madla springa, truje…

Wos is denn dou drin und wos schaut denn dou raus, truje…

A klanns Tröpfla Bier und des sauf mer glei aus, truje…

An Sprung übers Gässla, an Juchschreier draf, truje…

An Bumbrer ans Fenster, schäins Madla mach af, truje…

Und wennsters net af machst, nou läßters halt bleibn, truje…

Am Sunntooch is Kerwa, kannst aa dahamm bleibn, truje…

Vo dou drunt kumm i raf, wou der Schlout su schäi raucht, truje…

Hab´s Karrassiern glernt, hab kann Schollmaster braucht, truje…

Und as Wognrad, des dreht si und der Kouhdreeck hängt dro, truje…

Und der Kouhdreeck der freit si, daß er Wognrad fahrn ko, truje…

Mir senn halt drei Bräider und i bin der klennst, truje…

Senn alle drei sauber, aber i bin der Schennst, truje…

Mir senn halt drei Bräider, zu värt sollt mer sei, truje…

Nou sperr mer in Teifl ins Vuglhaus nei, truje…

Blau-weiß des is bayrisch und gräi scheißen d´Gäns, truje…

Des Madla, wo an Schandarm mooch, is a grouß Mensch, truje…

Und zwölf Bärgermeister und dreizeah Schandarm, truje…

Däi lou´ mer net kalt wer´n, däi freß mer glei warm, truje…

Gute Nach Musikanten, gut Nach ihr Wärtsleit, truje…

Gut Nach ihr schäin Madla, bo eich hat´s mi gfreit, truje…

 

Weitere Traditionen zur Kirchweih:

Der „Kirchweihmarkt“

Der Kirchweihmarkt mit Ständen und Buden mit Gebrauchsartikeln um die Kirche herum ist heutzutage nur noch selten anzufinden. Bekannte Ausnahmen sind Wolfratshausen, Eggenfelden, Freilassing und der Mariahilfplatz in München. In Dörfern findet man meist ein paar Schausteller mit Losbude, Schießbude oder Karusell.

Die „Kärwasau“ (Kirchweihsau)

So wird der Kirwabou bezeichnet, der während der Kirwazeit am meisten Bier getrunken hat. Verbreitet ist dies im ländlichen Raum von Mittelfranken. Heutzutage wird die „Kärwasau“ oft gewählt oder es wird vorher ausgemacht, wer von den Kirwaboum dieses „Amt“ übernimmt. Am Kirchweihmontag wird die „Kärwasau“ dann vor Publikum mit großer Gaudi „geschlachtet“.

Das „Kärwatüchla“ (Kirchweihtuch)

Tradtionell trägt in Franken jeder Kirwabub ein weißes Hemd mit einem roten Tuch. Wenn die Kirchweih zu Ende geht (Montag Mitternacht) wird dieses Tuch vom Kirwaboum seinem Mädchen umgebunden.

Die „Küchle“ oder „Knieküchle“

Gebäck aus Hefeteig, dass traditionell zur Kirwa gebacken wird. Der Teig wird rund geformt, so dass die Mitte des Gebäcks ganz dünn ist und außen sich ein gleichmäßiger Wulst befindet. Sie werden in Butterschmalz ausgebacken und anschließend mit Puderzucker bestreut. Rezepte für eckige und runde Küchle gibt es auf unserer Website unter „Bayerische Rezepte“.

Die „Vogelsuppe“

Wird im Hersbrucker Raum am Kirchweihdonnerstag serviert. Es handelt sich hier um ein Essen mit Rindfleisch und Innereien, das mit Semmel- oder Leberknödel serviert wird. Die Gasthäuser haben hierfür ein eigenes Rezept.

Die „Kirwaliesl“

Eine „Kirwaliesl“ ist ein Bierkrug, der sowohl von der Größe als auch von der Gestaltung her einen normalen Bierkrug übertrumpft. Die Höhe kann durchaus 40cm betragen und der Tonkrug wird reich verziert, wie mit Bildern, Ornamenten und Schriftzügen.  Spezielle Anfertigungen für kunstvolle Einzelstücke werden bei einem Töpfereimeister in Auftrag gegeben.  

 


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