Kirchweih - der Goldene Buschen und die "Roußerer" in Alfeld

Die Kirchweih des Ortes Alfeld in Mittelfranken hat eine lange Geschichte und einzigartige Bräuche, die sich bis heute erhalten haben. Aufgrund einer ehemaligen Teilung des Ortes wird  jedes Jahr an der Kirchweih auch an die Wiedervereinigung von diesen beiden bis über drei Jahrhunderten getrennten Ortsteilen erinnert.

In Alfeld fand früher die Kirchweih immer am 24. August eines jeden Jahres statt - dem Tag des Heiligen Bartholomäus. Fällt heutzutage der 24. August in die Woche, so ist am darauffolgenden Wochenende die Kirwa.

Der Ort Alfeld gehörte Anfang des 16. Jahrhunderts zur Kurpfalz. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504, bei dem die Grenzen neu festgelegt wurden, wurde die Ortschaft aufgeteilt. Der Albach diente dabei im Ort Alfeld als Grenze: der Teil des Ortes westlich des Albaches kam zur Freien Reichsstadt Nürnberg, der östliche Teil blieb bei Bayern. Diese unterschiedliche Zugehörigkeit der beiden Ortsteile erschwerte den Alfeldern manches und war von der Bevölkerung ungewollt. Erst dadurch, dass 1806 Nürnberg Landstadt des neuen Königreiches Bayern wurde, wurde auch der Ort Alfeld wiedervereinigt. 2011 war das 205. „Gedenken“ an die Wiedervereinigung.

Kirchweih Alfeld Mittelfranken Baumaustanzen
Aus dieser Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung entstand ein besonderer Kirchweihbrauch.
Nach der Wiedervereinigung wurde ein Seil zwischen zwei Bergen der beiden früheren getrennten Ortsteile gespannt. An dieses Seil wurde ein grüner Busch gehängt; dies symbolisiert die Wiedervereinigung. Dieser Brauch ist  seit der damaligen Zeit erhalten geblieben. Auch heute noch wird alljährlich an der Kirchweih das ca. 250 m lange Seil gespannt und ein „Goldener Buschen“ angefertigt. Dies ist mittlerweile ein ca. 1,5 m langes Fichtenbäumchen, eingehüllt in Goldpapier, mit Bändern geschmückt. Der Buschen wird mit dem Wipfel nach unten an das Seil befestigt und an seinem Wipfel wird dann noch eine goldfarbene Schweinsblase angehängt.

Kirchweih Alfeld Mittelfranken Buschn Die Kirchweih in Alfeld beginnt am Donnerstag mit dem traditionellen „Vogelsuppn“-Essen. Die Vogelsuppe besteht meist aus Rindfleisch und Innereien und wird mit einem Kloß serviert. In den Wirtschaften feiert man die Kirchweih bei Musik.

Am Samstagvormittag wird der Kirwabaum, der mindestens 30 m lang sein muss, aus dem nahe gelegenen Grafenbucher Forst geholt und auf dem Dorfplatz aufgestellt. Am Sonntagmorgen wird dann das Seil zwischen den beiden Bergen (Schneiderberg und Kegelberg) gespannt und der Buschen daran aufgezogen.

Am Montagabend wird der Kirchweihbaum ausgetanzt; dies ist der Höhepunkt der Alfelder Kirwa.  Bereits am Nachmittag ziehen die Kirwapaare ins Dorf: Kirwalieder werden gesungen, die Musik spielt zwischendurch. Die Kirwaboum legen die Arme um die Schultern und verneigen sich vor der Musik. Mit dabei ist der Eilwagen – ein sich während der Fahrt drehendes Wagenrad ist an einem Baumstamm angebracht und wird von einem Traktor gezogen. Auf dem drehenden Rad sitzen die beiden geschwärzten „Roußerer“. Mehrmals wird bei diesem Einzug Halt gemacht; dann steigen die beiden Roußerer ab vom Rad, laufen zu den Leuten und schwärzen ihnen das Gesicht mit Ruß. Dies soll den Leuten Glück bringen.

Später wird sich zum Austanzen des Kirwabaums versammelt.  Die Kirwaboum tragen eine schwarze Weste mit einer Nummer und einem Symbol des eigenen Berufes. Der Platzknecht hat eine weiße Schürze an und ist für das Bier der Kirchweihpaare zuständig. Er trägt den mit Bändern geschmückten Hut des zukünftigen „Houterers“ auf dem Kopf. Die Kirwapaare drehen Ihre Runden um den Kirwabaum, dabei wird ein Blumenstrauß von Paar zu Paar nach einem kurzen Tanz und Gesang von Kirwaliedern weitergegeben. Das Paar, das beim Knall des Schusses den Strauß hält, ist das neue Kirwapaar. Dem „Houterer“ wird vom Platzknecht der Hut übergeben, den ihm die anderen Kirwaboum auf dem Kopf „hauen“. Das neue Kirwapaar dreht eine Ehrenrunde um den Baum und auch der „Goldene Buschen“ wird auf den Marktplatz heruntergelassen und vom Seil abgeschnitten. Das Kirwamoidl bekommt den „Goldene Buschen“ geschenkt.

Die Nachkirwa am Dienstag wird vom Houterer ausgerichtet; an diesem Tag feiern nochmals die Kirwapaare .
Bis heute hat sich dieser Kirchweihbrauch erhalten und wird von den Alfeldern gut gepflegt. An der Kirwa ist der ganz Ort auf den Beinen und in Feierlaune.

 

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Termine von weiteren Kirchweihen finden Sie in unserem Kirchweihkalender.



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